thomas heinz

schmuck & gerät

Klangring-0116
Flex-Armband



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2013, Nr. 216, S. T6


Die rechte Zeit für Mann und Frau


Schmuckstück, Uhr oder beides: Kairos mit Wechselsystem


Am Anfang war die Zeit, dann kam der günstige Zeitpunkt, dann kam Kairos. So heißt nicht nur der rechte Augenblick, sondern auch ein Wechselsystem, bestehend aus einer Armspange und zwei verschiedenen Uhrgehäusen. Entworfen und umgesetzt hat es Thomas Heinz, ein kreativer Goldschmiedemeister, der in einem sonnendurchfluteten Atelier im Westerwald arbeitet, und es schmückt Männlein und Weiblein gleichermaßen.


Basis ist die Armspange, die separat als Schmuck getragen werden kann und in die wahlweise eine rechteckige oder eine runde Uhr eingeklinkt wird. Die offene Spange wird mit einer Uhr zu einer geschlossenen Einheit, an der es weder Bandanschlüsse noch Hörnchen, noch sonstige Unterbrechungen gibt. Sie wird dem künftigen Träger oder der Trägerin auf den Arm geschneidert. Heinz dreht sie aus einer massiven Stahlwelle, legt sie mit Goldband aus, verlötet dieses und bördelt es dann von innen nach außen um den Stahlkern herum. Auf der Haut trägt man bei dieser Konstruktion also das Gold. Schon auf der Drehbank werden die Rillen in den Stahl gedreht, die der Spange ihr charakteristisches Aussehen verleihen. Nach dem Bördeln wird brüniert, das heißt, der Stahl wird dunkler gemacht, er soll "unedler" aussehen als Gold, denn das Gesamtkunstwerk lebt von dem Gegensatz zwischen den beiden so unterschiedlichen Metallen. Die Kombination von zähem Gold und federndem Stahl ist eine ideale, meint Heinz, auch deswegen, weil der Stahl Löttemperaturen aushält, ohne sich mit dem Gold zu verbinden.


Nach dem Bördeln wird der runde Rohling aufgeschnitten und mit hohen Kräften in die gewünschte Form und Größe des Handgelenks gebogen, danach schneidet Heinz ein Stück von 32 Millimeter heraus, in das beide Uhrgehäuseformen passen. An den jetzt offenen Kanten lötet er goldene Enden an, hier wird nicht mehr gebördelt, auch wenn es so aussieht. Nach dem Finish ist die 18 Millimeter breite und etwa 60 Gramm leichte Spange "betriebsbereit", sie ist für sich allein ein Schmuckstück, bei dem eine Schattenfuge zwischen dem goldenen Bördelrand und dem dunklen Stahl die Materialien optisch fein voneinander trennt.


Wer nicht beide Uhren haben will, muss sich jetzt entscheiden: Wäre die rechteckige die richtige, deren Gehäuse etwa doppelt so lang wie breit ist (40 × 19,5 Millimeter) und ein Quarzwerk enthält, oder die neueste Kreation, das runde Gehäuse (mit einem mechanischen Eta-Automatikwerk), mit einem Durchmesser von 40 und einer Höhe von neun Millimeter? Heinz setzt Werke in Container-Bauweise ein, das heißt, das jeweilige Uhrkaliber sitzt separat im zweischaligen Gehäuse. Bei dieser innovativen Befestigung wird die Armspange von beiden Seiten etwa vier Millimeter weit durch die eingearbeiteten Öffnungen ins Gehäuse geschoben und eingeklinkt, sie hält aufgrund ihrer Spannung dort fest. Diese Spannkraft bei nur zwei Millimeter Materialstärke verdankt sie der Herstellungsart.


Das Gehäuse besteht aus 750er Gold, allein das "Bodenblech" ist einen Millimeter stark. Das eigentliche Uhrgehäuse ist wasserdicht, sollte Wasser durch die Schlitze im Außengehäuse eindringen, kann es unten einfach herauslaufen. In die Lücke der Spange passt auch die rechteckige Uhr, deren 26 × 10 Millimeter großes Edelstahl-Zifferblatt gewölbt ist; den Ausschnitt für das Saphirglas feilt Heinz von Hand und setzt dieses passgenau ein. Das klingt einfacher, als es ist, denn viereckige Gläser sind sehr viel schwerer in ihren Fassungen abzudichten als runde. Die Werke lässt er von einem Uhrmacher einsetzen, der sie vorher noch verfeinert. Auffällig sind die sechs Millimeter breiten Lünetten der Uhren, sie umrahmen das puristische Zifferblatt, auf dem nur die beiden schwarzen Minuten- und Stundenzeiger aus der Mitte agieren; die Kairos mit Automatikwerk hat zudem eine Datumsanzeige bei der "6" und gibt durch ihren Glasboden den Blick frei auf Werk und Rotor. Für diese Uhr braucht Heinz 25 Gramm des Edelmetalls und viel Zeit. In den Stücken steckt jede Menge Handarbeit, nicht zuletzt für das Satinieren und den seidenmatten Glanz der Gehäuse.


Mit der Automatikuhr kostet die Kairos 8490 Euro, mit dem Quarzwerk 6170 Euro, die Spange allein ist für 2200 Euro zu haben. Wer wechseln will, nimmt alle drei Teile und kann die Uhren wahlweise einhängen. Heinz verrät natürlich auch den Trick, mit dem man sich die Spange problemlos anlegt. Dann fehlt nur noch der rechte Augenblick für die Entscheidung. Vielleicht kommt er, wenn es auch eine quadratische Ausführung gibt - die ist in Arbeit.


MONIKA SCHRAMM.










Flexibel, aber nicht dehnbar



Sieht aus wie ein Reif, ist aber keiner: Armschmuck Flex




Man trägt wieder Armschmuck. Darunter verstehen zwar viele Damen heute die

modische Handtasche, aber es darf auch wieder Güldenes sein. Da gibt es im

Grunde nur zwei Möglichkeiten: entweder ein Armreif oder ein

Gliederarmband, das am Handgelenk hängt. Jetzt gibt es ein Mittelding

zwischen beiden, das aussieht wie ein Reif, aber ein aus etwa 40 Gliedern

bestehendes Band ist. Es ist geschmeidig und in sich höchst flexibel, aber

nicht dehnbar, außerdem transparent, denn man kann den Arm der Trägerin

darunter erkennen.


Einfach nur Flex nennt Goldschmiedemeister Thomas Heinz sein neues Stück,

es ist wie die meisten seiner Kreationen eine Kombination aus innovativer

Technik, ungewöhnlichen Materialien und einfallsreichem Design. Auf der

Oberseite des Bands ziehen Brillanten eine endlose Glanzlinie über die

goldenen Glieder. Nicht einfach in Wellen von einer Seite auf die andere,

sondern dem idealen Schnitt folgend - das wirkt deutlich kurzweiliger.

Schaut man genauer hin, erkennt man zwischen den acht Millimeter hoch

aufragenden Gliedern hauchfeine transparente Verbindungen, die

gleichzeitig als Abstandshalter dienen. Sie sind das Geheimnis der

Flexibilität. Es handelt sich um Silikon-Röhrchen, die zwei 0,9 Millimeter

starke Litzen aus Edelstahl ummanteln. Wenn auf diesen die goldenen

Einzelglieder abwechselnd mit den etwa 4,5 Millimeter langen Röhrchen

aufgefädelt sind, werden sie am Schloss verlötet, und zwar so, dass die

Röhrchen unter leichtem Druck stehen. Die Spannung verhindert, dass man

die Litzen sieht oder ein winziger Abstand entstehen könnte.


Die Grundform für die Glieder ist eine Art überhöhte Navette, in die unten

bereits die Ösen zum Einfädeln der beiden Litzen eingearbeitet sind. Diese

Form wird gegossen, und zwar so oft, wie man es für das jeweilige

Schmuckstück braucht. Es wird jeweils angemessen, für die Standardlänge

von 19 Zentimeter braucht Heinz 40 Stück. Diese zweidimensionalen Gebilde

aus 750er Gold (18 Karat) schneidet er jetzt an der Stelle auf dem oberen

Rand von Hand auf, wo später die Fassung für den kleinen Brillanten sitzen

wird. Danach verdreht er das eine Ende um 90 Grad, so dass es mit der

mattierten Breitseite nach oben zeigt, und biegt es ein wenig in die

dritte Dimension. Jetzt erkennt man bereits, dass die Breite genau dem

Durchmesser der Steinfassung entspricht. Die wird jetzt zwischen die

beiden ungleichen Enden der Navette gelötet. Da schon für ein Standardband

40 Diamanten gebraucht werden, lohnt sich für den Goldschmied sogar das

Herstellen eigener Werkzeuge: Eine Fassungsschließe sorgt für rationelles

Arbeiten. Die Schmalseite der Navette wird zuletzt poliert und bildet

einen reizvollen Kontrast zu ihrem mattierten Gegenstück auf der anderen

Seite der Fassung.


Das 2,3 Zentimeter breite Flex trägt sich sehr angenehm, und wichtig für

ein Armband ist, dass man nicht damit hängenbleibt. Das passiert hier

nicht, denn die Glieder sind wunderbar abgerundet und unten bombiert, was

den Tragekomfort noch mal erhöht. Das Gewicht der etwa 45 Gramm Gold ist

kaum zu spüren, von den 40 Brillis mit jeweils 0,035 Karat ganz zu

schweigen. Der einzige Nachteil: Die Dame kann das Band nicht allein

anlegen, weil man dazu zwei Hände braucht. Das ist dem Schloss geschuldet,

bei dem man durch ein Überdehnen des Radius die Schließe von unten in die

Führung einschnappen lässt. Als Plus stehen dagegen die Unauffälligkeit

des Verschlusses, den man im Gegensatz zu einem Kastenschloss kaum sieht,

außerdem kann man seinetwegen das Flex nicht verlieren, weil es sich

niemals unabsichtlich öffnet. Daher spricht alles dafür, sich das

filigrane Band, das in Standardgröße 5700 Euro kostet, erst schenken und

dann möglichst oft anlegen zu lassen.














Hohe Töne aus dem Fingerschmuck


Gold ist das beste Material für die Klangringe von Thomas Heinz



Leicht ist das schöne Stück, und je jünger man ist, desto weiter hört man,

dass sich in seinem Innern etwas tut. Und das bei jeder Handbewegung.

Es ist einfach zu erkennen, dass der Ring hohl ist und die feinen Klänge

durch die gezackten Öffnungen nach außen dringen. Es müssen winzige

Kügelchen sein, die sich innen bewegen, und die erste Frage ist, wie sie

hineingekommen, wenn ihr Durchmesser doch größer sein muß, als die eingefrästen Schlitze breit sind.


Thomas Heinz, mehrfach ausgezeichneter Gold- und Silberschmied aus dem Westerwalddörfchen Steimel, hat mit seinem Klangring sozusagen das Prinzip der Rassel auf kleinstem Raum auf höchst elegante, tragbare Art realisiert.

Er stellt ihn aus einem fugenlosen Gelbgoldröhrchen von 18 Karat (750) her, dessen Legierung federhart sein muß. Sonst könnte es passieren, dass die beiden Seiten der Zacken bei Beanspruchung einmal zusammengedrückt werden und nicht mehr zurückfedern. Die 750er-Legierung hat sich nach mehreren Versuchen mit anderen Edelmetallen als die beste herausgestellt. Je höher das spezifische Gewicht des verwendeten Metalls, desto schöner der Klang. Dennoch ist das schwere Platin ungeeignet, denn es federt nicht, Silber wiederum ist zu leicht und klingt daher nicht.

Heinz füllt das Goldröhrchen (Außendurchmesser 4 Millimeter) mit Sand, denn sonst würde er es zerdrücken, wenn er es über verschieden große Spindeln zu einem Ring in der gewünschten Größe formt. Zuvor zwickt er die beiden Seiten zu, damit der Sand nicht herausrieselt. Hat er die Form, sägt er die Enden wieder auf, entfernt den Sand und lötet sie zu einem geschlossenen Ring zusammen. Den teilt er in drei Abschnitte und fräst in jeden eine jedes Mal anders ausfallende Zackenlinie von gleicher Länge. Zur Stabilisierung bleibt dazwischen Raum für je einen Brillanten und seinen Meisterstempel. Durch die Schlitze kann man in den hohlen Ring hineinschauen, sie erscheinen dunkel, aber nicht etwa, weil das Gold geschwärzt wurde, denn es oxydiert nicht. Der dekorative Farbunterschied der Zacken entsteht quasi als optischer Trick. Vor dem Fassen der beiden Brillanten legt Heinz zwei Goldkügelchen mit einem Durchmesser von einem Millimeter in den Ring, was die Anfangsfrage beantwortet. Auch hier spielt das spezifische Gewicht für den Klang eine entscheidende Rolle. Die Brillanten sind je 0,035 Karat groß, dieser Wert wird vom Ringdurchmesser begrenzt. Wenn Heinz größere Brillanten nähme, die mit ihrer geschliffenen Unterseite um so weiter in den Ring hineinragen, je größer sie sind, würden sie dem ungehinderten Rollen der Kügelchen im Wege stehen. Die fallen bei jeder Bewegung gegen die Innenwand und erzeugen den hochfrequenten Klang, der durch die offene Zackenlinie wie durch das Schallloch einer Gitarre nach außen dringt. 370 Euro verlangt Thomas Heinz (Telefon 02684/1739, www.thomas-heinz.de) für seine Klangringe mit den beiden Brillanten. Man kann sie auch ohne diese oder mit anderen Steinen ordern. Sogar die Zackenlinie kann Heinz nach Wunsch gestalten.